50 Jahre Blaulichtrennen

Eine Stammtischidee wird zur Tradition


Zu der Zeit als sich das Tölzer Feuerwehrhaus noch im Rathaus in der Markstraße befand und die beiden Fahrzeuge in den Räumlichkeiten des heutigen Heimatmuseum untergebracht waren, trafen sich die Floriansjünger zu ihren Schulungen und Vereinsveranstaltungen im „Salettl“  des Gasthofes Zantl in der Salzstraße. Mit der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses an der Mühlgasse wurden diese Termine natürlich in die neuen Räumlichkeiten verlegt. Zurückgeblieben ist der Feuerwehrstammtisch, bei dem sich die damalige Jugend jeden Donnerstag nach den Übungen traf um zu diskutieren, Spaß zu haben und zu „Schafkopfen“. Dort wurde auch die Idee geboren, dass die „Blaulichter“ nicht nur bei den Einsätzen aufeinander  treffen,  sondern auch einmal in einer entspannten Atmosphäre die Kameradschaft pflegen sollten.  

Was lag näher als, die Idee der leidenschaftlichen Skifahrer unter den Stammtischbrüdern, dies mit einem Skirennen in Verbindung zu bringen. Gesagt getan und so war das „Blaulichtrennen“ geboren.

Als Austragungsort wurde der Buchberg gewählt, ein Hang mit Lift bei dem nicht nur Teilnehmer mit Rennerfahrung, sondern alle die einfach nur gern Skifahren, an den Start gehen konnten. Denn im Vordergrund stand der Gemeinschaftssinn und nicht der Sieg. Teilgenommen haben Kameraden der Werkfeuerwehr Moralt, der Bayrischen Rotkreuz Gemeinschaft und natürlich als Ausrichter die Freiwillige Feuerwehr Bad Tölz.
Gestartet wurde am 21. Januar 1967. Das Startgeld betrug 2.- DM. Die Organisation hatte Franz Modlmeier, und die Schirmherrschaft der damalige Tölzer Bürgermeister Gregor Schöttl übernommen. Schon beim nächsten Rennen 1998 startete auch die Tölzer Stadtpolizei mit einer eigenen Mannschaft und 1971 bildete auch die Bergwacht eine eigene Mannschaft. Von nun an kämpften 5 Mannschaften um den Mannschaftswanderpokal. Die größte Teilnehmerzahl mit 128 Startern war 1968 zu verzeichnen.  Heute sind es etwa 80 „Blaulichtler“ die unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters Josef Janker an den Start gehen. Denn auch  jetzt ist es noch der Brauch, dass der amtierende Bürgermeister die Schirmherrschaft übernimmt. Seit geraumer Zeit wird der Start des Riesentorlaufes mit Martinshorn und Blaulicht eröffnet, eine Idee von Anton Mayr, der zunächst das Equipment in einem Rucksack durch die Tore steuerte und dann die Anlage auf einen Skibob montierte. Heute fährt sein Sohn Andi den Bob ins Ziel.

Es war schon eine Herausforderung, die Strecke auszustecken, die Piste einzutreten und der Zeitmessung über Funkgeräte und Stoppuhren für die ersten 97 Rennläufer möglichst gerecht zu werden. Ebenso für alle Teilnehmer, und dazu gehörten auch alle Helfer, einen Preis zu organisieren, denn keiner sollte mit leeren Händen nach Hause gehen, berichtet Fritz Amberger von der Tölzer Wehr. Seither erhält auch jeder Läufer vor dem Rennen nicht nur seine Startnummer sondern auch ein Getränk und ein paar warme Würst‘l und wer will, noch einen Schluck hochprozentiges aus der Zielwasserflasche.

Anfangs gab es nur einen Gesamtsieger egal in welchem Alter dieser war. Das erste Rennen gewann übrigens Otto Lachner von der Feuerwehr Tölz. Er durfte den, von Franz Modlmeier gestifteten, Wanderpokal bei der Siegerehrung in der „Alten Einbachmühle“ übernehmen. Nachdem die Teilnehmer skifahrerisch eher weniger gefordert waren, wurde die Strecke im nächsten Jahr verlängert.
Die Idee, den Riesentorlauf mit einem Nachtlanglauf, bei dem die Strecke mit Kerzen beleuchtet war, zu kombinieren, wurde 1973 nur einmal umgesetzt und dann nicht mehr weiter verfolgt.
Die unsichere Schneelage zwang die Organisationen jedoch nach einigen Jahren, die Austragung des Rennens zum „Zielhang“ am Blomberg zu verlegen. Doch auch dort bescherte die mangelnde Schneesicherheit keine lange Zukunft, so dass man sich Mitte der siebziger Jahre für den „Zielhang“, gleich neben dem Weltcuphang am Fuße des Braunecks, entschied. 1995 fand das Rennen sogar am Weltcuphang statt. Der dort doch etwas anspruchsvollere Lauf zwang nicht nur Bürgermeister Albert Schäffenacker sondern auch so manchen anderen  Teilnehmer  zu einem Zwischenschwung um seine Geschwindigkeit im Griff zu halten.
Später wurde das Rennen dann aus organisatorischen Gründen zum „Draxlhang“ nach Wegscheid verlegt.
Zwischenzeitlich standen dem Hauptorganisator Franz Modelmeier, der Vorstand der Tölzer Wehr Josef Reitberger und die Feuerwehrkameraden der Werkfeuerwehr Moralt unter der Führung der Kommandanten Josef Hegele und Georg Rest, unterstützend zur Seite.
Zu den Hauptsponsoren zählten die Bürgermeister der Stadt Bad Tölz, die jeweiligen Landräte, die Stadtwerke, die Sparkasse, das Alpamare, die Brauneckbergbahn, die Firma Moralt und Franz Modlmeier selbst. Er spendete dann auch 1982 den zweiten Mannschaftswanderpokal nachdem die „Moraltler“ den Ersten Pokal, den Bürgermeister Gregor Schöttl gestiftet hatte, behalten durften.

1973 übernahm Josef Reitberger
die Hauptorganisation, wurde aber weiterhin von Franz Modlmeier unterstützt. Die Firma Moralt sponserte das Rennen mit Torstangen, Starnummern und was man  sonst noch so alles brauchte. Mit einer selbstgebauten elektrischen Zeitmessung, die von den „Moraltlern“ gebastelt wurde, zog auch beim Blaulichtrennen der technische Fortschritt ein. Heute wird natürlich die Zeit auch bei den „Blaulichtler“ hoch professionell gemessen. Im Wechsel sind dafür die umliegenden Skiclubs dafür bereit. Nach wenigen Rennen wurde auch die Einteilung der Teilnehmer in Altersklassen eingeführt, bei der es nach oben kein Grenzen gibt. So können in der AK IX die 85-90-jährigen starten, die mit Altlandrat Dr. Otmar Huber und Heinrich Maiwert von der WF Moralt beim letzten Rennen 2014 noch beide vertreten waren. Eingeführt wurde auch eine Mannschaftswertung der einzelnen Organisationen, bei der die Laufzeiten der besten 10 Fahrer aufaddiert werden.
Wiedererwartend gelang es den Bergwachtlern aber in den ersten Jahren nicht den Tagessieger zu stellen. Den beanspruchten im Wechsel am häufigsten die „Gendarmen“ und die „Moraltler“. Von 1992 bis 2002 wurde unter den bisherigen Tagessiegern ein Superpokal ausgefahren. Den ersten Pokal, gestiftet von Bürgermeister Albert Schäffenacker, gewann 1996 Sepp Steinbacher von der WF Moralt. Den Zweiten, ebenfalls gestiftet von Bürgermeister Albert Schäffenacker, gewann 2002 Thomas Rest von der Bergwacht.
Mit der Auflösung der WF Moralt im Jahr 2014 wären nun die letzten aktiven der Wehr zur Teilnahme am Rennen nicht mehr berechtigt gewesen. Es war aber nie eine Frage, die Kameraden, die über die vielen Jahre zum Gelingen der Veranstaltung einen sehr großen Beitrag geleistet haben, bei den Tölzer Floriansjüngern starten zu lassen. Letztendlich verhalfen sie in zweierlei Hinsicht den Tölzern auch dazu, dass sie den ewigen 4. Platz bei der Mannschaftwertung einmal gegen Platz 3 eintauschen konnten.

Für den Tagessieger, die Mannschaftswertung und die 10 bewerteten Mannschaftläufer überreichte der Organisator bei der Siegerehrung bis vor einigen Jahren handschriftlich geschriebene Urkunden, die das passive Mitglied Josef Wimmer von der Tölzer Wehr mit Tusche und Feder, pünktlich bis zum Beginn der Siegerehrung, schrieb. Heute übernimmt diese Arbeit der Computer.
Die Siegerehrung findet übrigens seit über 35 Jahren beim „Jägerwirt“ in Gaißach statt. Und wo gibt es sonst noch so etwas, dass der Wirt damit einverstanden ist, dass der gewonnene Siegersekt in seiner Gaststätte getrunken wird. Umrahmt wird die Siegerehrung von Franz Müller vom BRK, der von Anfang an seine Bassgeige zupft, und seinem befreundeten „Quetschenspieler“ Gerold aus Penzberg.

Jährlich werden an die Teilnehmer für ihre 10, 15, 20, 25, 30, 35 bzw. 40-malige Teilnahme diversen Andenken vergeben. Für die 10. bzw. 15. Teilnahme gibt es eine Anstecknadel, bei der auf einem paar Skier in Silber bzw. in Gold die Ärmelabzeichen der teilnehmenden Organisationen abgebildet sind.
Seit wenigen Jahren erhält die Siegermannschaft diese Anstecknadel in Originalgröße. Zwei historische „Bretter“ halten die geschnitzten und bemalten Ärmelabzeichen der Organisationen. Auf einem Messingschild wird seitdem die jeweilige Siegermannschaft eingraviert.

Trotz der knappen Schneelage aber Dank des Kunstschnees konnte das 43. Rennen am 11. März 2017 bei herrlichem Wetter wieder am „Draxlhang“ in Wegscheid gestartet werden.
Das 50-jährige Bestehen wurde zusammen mit der Siegerehrung beim Jägerwirt in Gaißach gefeiert. Neben den Preisen für die Teilnehmer des Rennens gab es aus gegebenem Anlass noch eine hochpreisige Tombola. In Ihren Grußworten würdigte Landrat Josef Niedermeier wie auch dritter Bürgermeister Dr. Christof Bozenhart den kameradschaftlich Grundgedanken der Veranstaltung und wünschten den jetzigen Organisatoren Georg Eibl und Norbert Schilk noch einen langen Fortbestand des Kameradschaftslaufes.