Chronik

Feuerschutz war Aufgabe der Bürger des Marktes.
Ende der 60er Jahre des 19. Jh. tauchte erstmals der Gedanke auf, daß sich die wehrwilligen jungen Männer zu einem Verein zusammenschließen sollten, um durch bessere Ausbildung und Ausrüstung dem Feuer eher begegnen zu können. In einer Sitzung der Gemeindebevollmächtigten wurde folgendes beschlossen:

"Die Bauart und die Bedachung des Marktes Tölz ist besorgniserregend Feuer gefährlich. Die Gnade Gottes hat Tölz bisher vor dem Schrecken und dem Elend eines größeren Brandunglücks bewahrt. Dadurch dürfen wir uns aber nicht in das Gefühl der Sicherheit einwiegen lassen: sondern müssen, im Gegenteil, offen die Gefahr erkennen, die uns immer bedroht. Die in den letzten Jahren immer zahlreicheren und großen Brandunglücke, die in den letzten 10 Jahren -erfahrungsgemäß- an Vehemenz immer fürchterlicher und anhaltender werdenden Stürme, sind gewiß Mahnrufe zu erhöhter Wachsamkeit und verdoppelter Vorsicht. Die Möglichkeit diesen Mahnrufen zu folgen, liegt in unserem Willen. Es hat sich unter den jungen Leuten ein Turnverein gebildet, welcher zugleich als Freiwillige Feuerwehr seine Dienste dem Magistrat anbietet. Es ist dies ein edles Anerbieten, das wir annehmen müssen mit Freude und Dank! Möge der Magistrat zur Sicherung der Eigenthums der hiesigen Einwohner alles thun was zur vollkommenen Organisation einer freiwilligen Feuerwehr erforderlich ist. Bei der Einsicht des Magistrats hält man als unnöthig zu erörtern, welche Vorzüge eine wohlorganisierte Freiwillige Feuerwehr aus jungen, kräftigen, muthigen Männern bestehend, welche unter Disziplin und richtigem Commando geübt werden, einer anderen Feuerordnung voraus hat. Weit entfernt die bisher bestehende Forderung zu mißachten, oder durch eine frewillige Feuerwehr zu verdrängen, hält man dießseits dafür, daß die Forderung und die Verpflichtung der Bürger hierzu unverändert aufrecht erhalten bleiben soll, daß aber neben denselben vom Magistrate eine gute Spritze und die nöthigen Utensilien zur Übung und Gebrauch überwiesen werden. Dadurch werden wir unsere Wachsamkeit und unsere Kräfte verdoppeln, werden wir der Mahnung folgen, welche die Verhältnisse und die Zeit durch die Unglucksfälle anderer an uns gerichtet haben. Die Gemeinde-Bevollmächtigten vertrauen zu der Einsicht und dem guten Willen des Magistrates, daß es nur dieser Anregung bedurfte, um den Magistrat zur Berathung und schleunigen Einrichtung einer Freiwilligen Feuerwehr zu veranlassen."

Schon damals erkannte der Magistrat den Wert einer Freiwlligen Feuerwehr, der sich auch darin äußerte, daß innerhalb der Direktiven der Feuerlöschkommission "die freiwillige Feuerwehr als solche in Ihren Bewegungen vollständig frei" war. Freiwilliger Einsatz, höherer Ausbildungsstand durch häufige Übungen und mutiges Einstehen für das Wohl der Gemeinschaft waren vermutlich auch die Vorzüge, die den Magistrat dazu bewogen, das Anerbieten der jungen Männer des Turnvereins "Jahn" Tölz, als freiwillige Feuerwehr zu fungieren, anzunehmen.

Am 15. August 1868 erging ein Aufruf zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr im Markt Tölz. Die sogenannte Pflichtfeuerwehr blieb auch nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1868 weiter bestehen, wie die "Feuerlösch-Ordnung für den Markt Tölz" aus dem Jahr 1871 belegt.

Am 21. September 1868 formierte sich schließlich die Freiwillige Feuerwehr des Marktes Tölz. Die Mitglieder waren alle zugleich Mitglieder des Turnvereins.

Daß die Gemeinde Tölz bereits sehr gut mit Feuerlösch-Requisiten ausgestattet war, belegt eine Aufstellung aus dem Jahr 1873. Man besaß unter anderem drei fahrbare Feuerlöschspritzen, einen fahrbaren Wasserzubringer, zwei tragbare Handspritzen, einen Feuer-Requisiten-Wagen sowie diverse Feuerhaken, Leitern, Eimer und Schläuche. Dennoch war der Magistrat bestrebt, die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr zu verbessern und eine neue Spritze zu beschaffen. Die Löschwerkzeuge und Geräte wurden lange Zeit in einem Stadel hinter dem alten Rathaus aufbewahrt.

 

 

 

 

 

Den ersten großen Brand mußte die Freiwillige Feuerwehr gemeinsam mit der Bürgerfeuerwehr jedoch noch mit den alten Gerätschaften bekämpfen. Eines Tages im Jahre 1884 fing das Anwesen des Lohnkutschers Geiger auf der Marktstraße zu brennen an. Das Feuer griff auf fünf weitere Gebäude über. Da an diesem Tag gerade Bachauskehr war, herrschte am Anfang der Löscharbeiten akuter Wassermangel. Schließlich gelang es der Feuerwehr aber, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Das Haus des Kupferschmiedes Weber und das Kolberanwesen waren jedoch nicht mehr zu retten.

Am 28. März 1886 nahm die Freiwillige Feuerwehr dann ihre erste Dampfspritze, die über 30 Jahre in Betrieb bleiben sollte, vom Magistrat in Empfang. Bei ihrer ersten richtigen Bewährungsprobe, dem Brand beim "Bürgerbräu" anno 1887, versagte sie allerdings ihren Dienst, was auf technische Fehler zurückgeführt wurde. Eine weitere große Neuerung fiel mit dem 25jährigen Gründungsfest zusammen. Am 3. Juni 1893 übergab der damalige Bürgermelster die von der Gemeinde erstellte Hydrantenanlage an den Kommandanten. Die Gefahr einer Bachauskehr des Ellbacharmes, die dem Markt 1884 fast zum Verhängnis geworden wäre, war damit nahezu beseitigt.

Ihre erste einheitliche Uniform erhielten die Feuerwehrmänner am 24. April 1898.

Zu den nächsten großen Bränden in Tolz, 1903 im Sägewerk "Zeiler" und 1910 beim "Schaftlerbräu" konnte die Freiwillige Feuerwehr endlich richtig gekleidet anrücken.

Auch drei mechanische Steigleitern, eine Sanitätstrage und neue Helme waren zwischenzeitlich beschafft worden. Die ständige Modernisierung trug dann auch entscheidend dazu bei, daß selbst die großen Brände schnell gelöscht werden konnten. Ihre Einsatzbereitschaft und die Qualität ihrer Lösch-Requisiten stellte die Freiwillige Feuerwehr jedoch nicht nur im heimischen Tölz unter Beweis. Auch bei Bränden in der näheren Umgebung konnten die jeweiligen Wehren auf die Unterstützung ihrer Tölzer Kameraden zählen. So halfen sie bei den Bränden der "Aten Post" in Tegernsee im Jahre 1892 und des "Oberbräu" in Holzkirchen 1895.

In der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen waren lediglich zwei größere Brände zu bekämpfen. 1924 in der Holzfabrik "Moralt" und 1931 in der Pioner-Faltbootwerft".

Von den Auswirkungen und den Schrecken des II. Weltkrieges blieb auch Tölz und seine Feuerwehr nicht verschont. Ein großer Teil der aktiven Feuerwehr wurde zum Dienst an den Waffen gerufen. 20 dieser Männer starben an der Front. Der kleine in der Heimat verbliebene Rest hatte in den Kriegsjahren Schwerstarbeit zu leisten. Sowohl in Tölz als auch zunehmend in München, das von den Bombenangriffen schwer erschüttert wurde, mußten die Männer ihre Pflicht erfüllen. Die insgesamt 177 Mann, die an den zehn Einsätzen in München teilnahmen, leisteten insgesamt 4119 Stunden härteste Arbeit. Nach 1945 begann für die Tölzer Feuerwehr eine Zeit des Wiederaufbaus und der Modernisierung. Bereits im September 1945 wurde die erste Übung nach dem Krieg abgehalten. Am 19. Oktober war dann der erste Großeinsatz, als in der Kaserne eine Baracke in Flammen aufging.

Um die immer breiter werdende Palette der möglichen Einsätze abdecken zu können, war die ständige Modernisierung und Erweiterung der Fahrzeuge und Geräte notwendig. Mit Hilfe der Stadt wurden neue Fahrzeuge, Leitern und Atemgeräte angeschafft, die sich bei einigen Großbränden - 1957 Waldbrand bei Fall, 1963 im Gut "Niederreuth" und im "Möbelhaus Hess", 1965 im Reiterhof und 1979 im Kloster Benediktbeuern- bewährten. Mitte 1959 wurde die Alarmierung durch eine Rundsteueranlage eingeführt. Der größte Schritt in den 60er Jahren, der Bau des neuen Feuerwehrhauses, begann 1962 konkret zu werden. Nach der Vorlage der Pläne lm März, stimmte der Stadtrat im April diesem einstimmig zu. 1964 war der Bau dann vollendet. Neben dem Platz für sechs Großfahrzeuge auf rund 350 Quadratmetern, enthielt das am 21. November festlich eingeweihte Gebäude, auch einen 18 Meter hohen Schlauchturm, Schulungs- und Gemeinschaftsräume, einen Raum für die Rundsteueranlage und weitere kleine Räume für verschiedenste Zwecke.

Aber den Anforderungen einer modernen und schlagkräftigen Wehr wurde auch dieses Gerätehaus zu klein. Einige Fahrzeuge waren seit 1990 in einer alten Fabrikhalle stationiert. So begann mit dem Spatenstich am 10. November 1995 der Bau zu einem neuen Gerätehaus. Am 21. September 1997 zog die Feuerwehr feierlich von ihrem bestehenden in ihr - wieder einmal technisch auf dem neuesten Stand - jetztiges Feuerwehrhaus.

Vom Löschen mit Ledereimern bis hin zu modernsten Brandbekämpfungsmitteln, von der Hilfeleistung bei Feuersbrünsten bis hin zu Rettungsmaßnahmen bei Chemieunglücken, wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Tolz seit ihrer Gründung stetig neuen Anforderungen ausgesetzt.