Winter hatte uns fest im Griff

11. Januar 2019
4 1/2 Tage Katastrophenfall im Landkreis

Seit gut einer Woche stehen viele Einsätze unserer Wehr im Zusammenhang mit den anhaltenden Schneefällen in unserer Region.  Bereits am 5. Januar ereignete sich auf der schneeglatten B 13 bei Reichersbeuern ein schwerer Verkehrsunfall, der ein erst 19-jähriges Menschenleben forderte. Am 6. Januar folgten dann Alarmierungen, weil abgebrochene Äste, durch die Last des nassen Schnees auf Straßen oder Wege gefallen sind. Der traurige Höhepunkt an diesem Tag war dann aber ein Rettungseinsatz am Blomberg, bei dem ein Tourengeher auf seiner Route durch den tief verschneiten Wald, kurz vor seinem Ziel von einem umstürzenden Baum getroffen wurde und ebenfalls verstarb.
Durch die anhaltenden Schneefälle, die immer wieder durch Regenperioden unterbrochen wurden, spitzte sich die Situation immer weiter zu. Das Landratsamt, als Katastrophenschutzbehörde, hatte deshalb eine Einsatzleitung gebildet um das Einsatzaufkommen zu beobachten und Vorbereitungen für einen evtl. Katastrophenfall zu treffen. So wurde zum Beispiel das Kreisgebiet in 4 Einsatzabschnitte unterteilt. Am Donnerstag, den 10. Jan. wurde dann gegen 23:00 Uhr vom Landrat der Katastrophenfall festgestellt.
Am 11. Jan. folgte für unsere Wehr ein weiterer Einsatz mit tragischem Ausgang. Zwischen Fall und Vorderriß stürzte ein Räumfahrzeug der Straßenmeisterei von einer Nebenstraße, die als Umleitung für die wegen Lawinengefahr gesperrte B 307 diente, in einen Nebenarm der Isar. Dabei wurde der Fahrer unter Wasser in seinem Fahrzeug eingeklemmt. Trotz aller Bemühungen von Wasserwacht, dem Rettungsdienst und den Kräften der angerückten Feuerwehren konnte er zwar noch gerettet werden, verstarb dann aber in einer Spezialklinik in Innsbruck.
Die Schneelast war inzwischen so weit angestiegen, dass es notwendig wurde bei Bedarf die Dächer besonderer Gebäude vorsorglich von dieser Last zu befreien. Hierzu hatte das Landratsamt entschieden, dass dazu alle, für die Infrastruktur notwendigen, Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Feuerwehrgerätehäuser, Bauhöfe, Kindergärten u.ä. zählen.
Nachdem dieser enorme Arbeitsaufwand von den Feuerwehren im Landkreis niemals allein zu bewältigen ist und die eigentliche Einsatzbereitschaft auch noch gewährleistet werden muss, wurden bei der Regierung von Oberbayern sog. Hilfeleistungskontingente (HIK) angefordert.  Dabei handelt es sich um Verbände, die es seit einigen Jahren in allen bayerischen Landkreisen gibt und die aus Fahrzeugen mit Kräften verschiedener, freiwilliger Feuerwehren zusammengestellt werden.
Am Samstag den 11. Jan schlug bereits um 8:00 Uhr das HIK aus Fürstenfeldbruck bei uns auf. Ihm folgten dann die Kontingente aus den Landkreisen Kelheim und Straubing-Bogen. Auch die Bergwacht sowie der Rettungsdienst und das THW bekam Unterstützung aus dem bayerischen Norden. Die Bereitschaftspolizei und die Bundeswehr ergänzten mit gut 100 Männer und Frauen die freiwilligen Helfer und Helferinnen in unserem Einsatzabschnitt. Die Unterbringung unserer „Gäste“ erfolgte in der Tölzer Jugendherberge, der Hochlandsiedlung in Königsdorf und im Landschulheim in Bairawies.
In unserem Feuerwehr Gerätehaus wurde für den Abschnitt Süd-Ost die Einsatzabschnittsleitung eingerichtet, die mit der "Örtlichen Einsatzleitung" im Landratsamt in Verbindung stand und von dort die Aufträge erhielt. Zudem wurden in unserem Schulungsraum die zugeteilten und eigenen Kräfte aller Organisationen und Einheiten verköstigt. Das Essen bereitete das BRK in Geretsried vor und wurde uns von den Johannitern geliefert.
Ab geschaufelt wurden die Dächer der Berufs- und Fachoberschule, des Reha Zentrums NeuroKom in der Buchener Straße,  der Dreifachturnhalle des Gymnasiums, sowie deren Aula und Teile des Altbaus, der Berufsschule an der Bairawieser Str. und der Dreifachturnhalle an der Jahnstraße, der Rettungswache des BRK und vom Betreuten Wohnen des BRK in der Herderstraße, sowie des Kindergartens „Arche Noah“ am Schützenweg, in Gaißach die Kinderfachklinik, in Lenggries ein Teil der Kirche und in Ellbach ein Teil des Kindergartens. Das Dach der Bergwachtübungshalle entlasteten die „Bergwachtler“ selbst. Die Bereitschaftspolizei schaufelte zahlreiche Unterflurhydranten in unserem Stadtgebiet frei.
Nachdem die weiteren Schneefälle nicht im vorhergesagten Umfang eintrafen, entspannte sich die Lage im Laufe des Montags zunehmend, so dass wir am Abend alle unsere auswärtigen Helfer aus unserem Abschnitt, mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ und den besten Wünschen für eine Gute Heimreise, wenn auch bei Schneesturm, verabschieden konnten.
Der Dank gilt natürlich auch den eigenen Kräften und unseren Damen die sich für die Essensausgabe verantwortlich zeigten.

Link zu Einsatzberichte: https://ffbt.feuerwehren.bayern/admin/Einsatzbericht/
https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2077741388978607&id=176333642452734

Links zu Presseberichten: https://www.br.de/nachrichten/bayern/soeder-ueber-schneechaos-keine-panik-aber-ernste-besorgnis,REvqpgn

https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/bad-toelz-ort28297/schneechaos-im-landkreis-bad-toelz-wolfratshausen-schaufeln-geht-weiter-11188439.html
https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/bad-toelz-ort28297/schneechaos-im-landkreis-bad-toelz-wolfratshausen-auf-zielgeraden-11212523.html
https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/bad-toelz-ort28297/landkreis-bad-toelz-wolfratshausen-ende-katastrophenfalls-11237481.html